Homogenität & Heterogenität

Wurden alle Referenzen innerhalb der Werke erfasst, können die Werke mit anderen Werken innerhalb des EWiG-Datensatzes selbst, aber auch mit Datensätzen aus anderen, vergleichbaren Projekten verglichen werden. Die folgende Graphik zeigt exemplarisch alle aus unserer Sicht einschlägigen Schriften, die zwischen 1750 und 1850 in Erstauflage erschienen sind, sowie ihre Referenzen. Die Visualisierung erfolgte mit dem Tool ‚NodeXL‘.

Als mittelgroße Sphären wurden die (hier insgesamt 34) Werke visualisiert; die kleinen Sphären stellen Referenzen auf andere Autor*innen dar, die innerhalb der Werke genannt werden. Manche Referenzen werden von mehreren Autoren innerhalb des Datensatzes geteilt (zu sehen z.B. mittig im unteren Drittes des Bildes), andere – hier: die weitaus überwiegende Zahl – werden jeweils nur von einem Verfasser in diesem Zeitabschnitt genannt.

Über die Analyse dieser Verbindungen lässt sich feststellen, wie viel (und welches) ‚Wissen‘ in Form von gemeinsam zitierten Referenzautoren die Werke untereinander ‚teilen‘, wie homogen oder heterogen also das hier repräsentierte ‚Grundwissen‘ (zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. in einem bestimmten Zeitabschnitt) sich darstellt.

Es ist so z.B. möglich, Werke zu identifizieren, die eine spezifische Nähe zueinander aufweisen, weil nur sie bestimmte Referenzgruppen miteinander teilen (und außer ihnen im betrachteten Zeitraum niemand), und – in vice versa – Referenzen, die die solche spezifischen Werkgruppen ‚erzeugen‘:

Auf dieser Graphik ist grundsätzlich die selbe Referenzblaupause der Schriften wie oben abgebildet; hier wurden allerdings zwei unterschiedliche Referenzgruppen identifiziert, die der eben beschriebenen Logik folgen. Diese Referenzgruppen wurden zunächst als Rauten visualisiert, zur besseren Lesbarkeit aber teilweise aufgelöst.

Die in Rauten dargestellten Gruppen entstehen, indem algorithmenbasiert solche Referenzen zusammengefasst werden, die zwei oder mehr zitierende Werke gemeinsam haben. Nicht berücksichtigt werden also solche Referenzen, die besonders häufig von mehreren Werken zitiert werden (z.B. Kant, Rousseau, Herbart etc.), sondern solche, die lediglich von zwei oder mehr Autoren – und niemandem außer diesen Autoren – genannt werden. Es entstehen dadurch 1. Gruppen zwischen wenigen Autoren, die besonders viele gemeinsame einzigartige Referenzen teilen; und es entstehen 2. Gruppen zwischen mehreren Autoren, die teils nur wenige Referenzen teilen. Die Stärke der Verbindungen entsteht also 1. durch die Anzahl gemeinsamer, in ihrer Kombination einzigartiger Referenzen oder 2. durch die Anzahl der Autoren, die über gemeinsame, in ihrer Kombination einzigartige Referenzen verbunden sind.

Daten, die Auskunft über Homogenität und Heterogenität der Referenzen respektive des Wissensraumes, in dem sich die Schriften bewegen, sind nicht nur deshalb interessant, weil sie z.B. wie hier in frühen Phasen der Wissensgeschichte der Erziehungswissenschaft Einblicke in das interne Ordnungssystem des Genres erlauben; sie können darüber hinaus auch mit anderen, vergleichbaren Datensätzen verglichen werden: Andreas Kempka (2018) vermisst z.B. ebenfalls mit bibliometrischen Methoden Lehrbücher der Erziehungswissenschaft zwischen 1997 und 2014, Anne Hild (2018) befasst sich mit Referenzen innerhalb erziehungswissenschaftlicher Lexika zwischen 1835 und 1945. So können zeitraum- und genreübergreifende Analysen ermöglicht werden.


Literatur

Hild, Anne (2018): „Helden und Denker“ der Pädagogik im Spiegel ihrer Fachlexika von 1774 bis 1945. Göttingen: Göttinger Universitätsverlag. Link zur frei zugänglichen Online-Publikation: hier

Kempka, Andreas (2018): Die disziplinäre Identität der Erziehungswissenschaft. Ein bibliometrisch-netzwerkanalytischer Zugang. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.

Tools

NodeXL in der Social Media Research Foundation: hier

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